Wer bereits meinen Thread bei Saab Cars gesehen hat, weiß worum es hier geht. Die Trionic. Um genauer zu sein der Trionic 8, welche sich in allen 2 Litern Motoren des Saab 9-3II ab Modelljahr 2003 findet.

Geschichte der Trionic

Die Trionic ist ein Motor Management System, welches 3 Aspekte des Motors kontrolliert:

  1. Zündzeitpunkt
  2. Einspritzung
  3. Ladedruck

1993 kam die erste Trionic auf den Markt, mit der Versionsnummer T5.2. Diese war eigens für die Modelle 9000 und 900II entwickelt worden. Bereits 1994 folgte die Trionic 5.5, welche deutlich mehr Sensoren unterstütze und auch technisch moderner war. Für die damalige Zeit war die Trionic definitiv das Steuergerät schlechthin. Zum Vergleich der erste Intel Pentium lief mit stolzen 60 bzw. 66MHz.

Die Trionic schaffte da schon 16MHz (T5.2) bzw. 20 MHz - nicht schlecht, wenn man die begrenzten Platzverhältnisse bedenkt.

1998 folgte die Trionic 7 welche sich im Saab 9-5 bzw. im Saab 9-3 Viggen wiederfindet.

2003 kam dann die letzte Trionic auf den Markt - Trionic 8.

Zugegeben - die neuere Trionic handhabt mehr als nur die oben genannten Faktoren, dennoch bleiben die Prinzipien gleich. Doch dazu später mehr.

Ziel dieser Anleitung

Im Laufe der Zeit ist es mithilfe von Reverse Engineering gelungen die Trionic zu "manipulieren". Dies bedeutet es können Modifikationen zur Leistungssteigerung, Sensorik, etc. vorgenommen werden.

Dies reicht von einem veränderten Begrüßungsbildschirm bis hin zu einer Launch Control.

Nachfolgend werde ich mich jedoch primär einer einfachen Softwareoptimierung widmen. Ziel soll es sein das Auslesen und das "Beschreiben" des Steuergeräts zu lernen und die Grundprinzipien eines "guten" Tunings zu verstehen.

Es wird erklärt wie man die Software updatet und auch eine Stage "0.5" welche mit der Suite kommt, testen kann. Darüber hinaus werde ich mit der Zeit immer wieder mal kleinere Tuning Packs bereitstellen.

Rechtliches

Bevor der Spaß beginnen kann, hier eine rechtliche Belehrung. Jegliche unsachgemäße Modifikation des Steuergeräts führt unmittelbar zum Erlöschen der Betriebserlaubnis.

Für Schaden am Fahrzeug oder Personen bin ich nicht haftbar zu machen.

Verbindung zum Steuergerät

Das A und O unserer Arbeit ist eine stabile Verbindung zum Steuergerät. Ohne diese kann es nämlich sonst zu Schäden am Steuergerät bis hin zum Totalverlust dessen kommen. Das klingt jetzt vielleicht etwas heftig, jedoch gibt es einfache Regeln die man einhalten sollte um dies zu vermeiden. Wird dies getan ist auch nichts zu befürchten.

Wahl eines Interfaces

Die Verbindung zum Steuergerät läuft über den OBD2 Port im Fahrzeug. Zur Programmierung kommen folgende Kabel in Frage:

  • Kvaser (egal welches)
  • CombiAdapter (gibts im TrionicTuning Forum von "johnc", BDM fähig)
  • J2534
  • Lawicel CanUsb (OBDLink SX)

Man kann auch ein billiges ELM 327 nehmen, jedoch rate ich dringend davon ab, da man nie weiß, ob es denn funktioniert und vor allem wie gut. Persönlich nutze ich das OBDLink SX, welches es für etwas um die 50€ bei so gut wie jedem Onlinehändler gibt.

Es ist nicht nur das günstigste aller Kabel, sondern auch das einzige was mit einer OBD Diagnosesoftware kommt. Sollte man also mehr als ein Fahrzeug im Haushalt haben, so kann diese Anschaffung sich durchaus lohnen.

Vorbereitung des PCs

Nachdem ihr euch für eines der Kabel entschieden habt, müssen die neusten Runtimes für Windows installiert werden. Viel zu oft habe ich nämlich schon erlebt, dass Leute im TrionicTuning Forum ihr Kabel nicht nutzen konnten, weil eben es nicht im Flasher angezeigt wurde.

Ein Hinweis für alle Linux oder OS X User - TrionicSuite ist ausschließlich für Windows verfügbar. Wollt ihr diese dennoch verwenden, so kann dies mithilfe einer virtuellen Maschine erfolgen.

Die benötigten Runtimes könnt ihr euch einfach hier runterladen.

Ihr könnt selbstverständlich auf Java bei der Installation verzichten.

Während wir auf unser OBDLink warten, können wir jedoch bereits die Treiber installieren.

Diese finden sich hier.

Sollte euer Kabel endlich eingetroffen sein, so könnt ihr es direkt mit eurem Computer verbinden. Doch ehe wir loslegen können, müssen noch kleinere Änderungen vorgenommen werden, damit eine einwandfreie Funktion gewährleistet ist.

Hierfür begebt ihr euch in die Systemsteuerung und anschließend in den Geräte-Manager. Das Kabel sollte dort unter "Anschlüsse (COM & LPT)" als "USB Serial Port" erscheinen.

Führt einen Rechtsklick aus und öffnet die Eigenschaften. Der Tab "Anschlusseinstellungen" sollte nachfolgend wie folgt aussehen.

Nun klickt ihr auf "Erweitert..." und richtet es wie unten zu sehen ein.

Glückwunsch, damit habt ihr bereits die größte Hürde genommen und den Grundstein für die Kommunikation zwischen eurem Computer und der Trionic geschaffen.

Auslesen der Trionic

Der erste Schritt unserer Arbeit beginnt damit eine Kopie des aktuellen Softwarestandes zu sichern.

Um dies zu tun benötigen wir den TrionicCANFlasher.

Nachdem ihr das ganze installiert habt, verbindet ihr euer Interface mit dem Auto und Computer. Der OBD Port befindet sich oberhalb des Gaspedals.

Schaltet nun erstmal alle Verbraucher im Auto ab. Sprich Scheinwerfer, Innenraumbeleuchtung, etc. Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme und soll verhindern, dass die Batterie aufgrund von Unachtsamkeit leer gesogen wird.

Sollte dieser Schritt getan sein, schaltet ihr die Zündung ein.

Anschließend öffnet ihr den TrionicCANFlasher.

TrionicCANFlasher Hauptmenü

Dieser sollte unter "ECU Type" "Trionic 8: Main" anzeigen.

Öffnet die "Settings" und stellt sicher, dass die Einstellungen wie folgt aussehen:

TrionicCANFlasher Einstellungen

Seit nicht verwundert falls unter "Adapater" ein anderer COM Port steht. Wichtig ist nur, dass einer vorhanden ist. Andernfalls wird euer Kabel nicht richtig erkannt.

Wichtig! Bevor ihr erstmalig eine Verbindung mit dem Steuergerät über den TrionicCANFlasher aufbauen könnt, müsst ihr die Einstellungen über "Save" speichern und zwar auch dann, wenn diese richtig sind.

Um sicher zu gehen, dass die Verbindung erfolgreich aufgebaut werden kann und auch sonst stabil ist, ruft ihr einfach mehrmals "Get ECU info" auf.

Ihr solltet dann Informationen bezüglich eures Autos erhalten. Dies kann wie folgt aussehen:

Ergebnis der "Get ECU info" Funktion

An dieser Stelle sollte man sich die "Basemodel partnr" und "SW Identifier 1" notieren. Diese werden wir später noch zum Aktualisieren der Software benötigen.

Wir erstellen nun eine Sicherung der aktuellen Software, indem wir "Read ECU" auswählen. Es sollte nun nach dem Speicherort und gewünschten Dateinamen gefragt werden.

Das Auslesen des Steuergeräts ist absolut sicher, selbst wenn die Verbindung aus welchen Gründen auch immer unterbrochen werden sollte. Also keine Panik.

Dieser Vorgang sollte in weniger als 5 Minuten abgeschlossen sein. Andernfalls solltet ihr nochmal die Einstellungen des Interfaces prüfen. Alles bis maximal 10 Minuten ist "akzeptabel", jedoch nicht optimal.

Es sollte sich nun eine .bin Datei auf eurem Computer befinden. Sichert diese nun erneut ab. Am besten ihr speichert diese nicht nur auf eurer Festplatte. Persönlich nutze ich hierfür eine Cloud um auf Nummer sicher zu gehen.

Das Interface kann übrigens immer dann ausgesteckt werden, sobald "Connection terminated" im Flasher erscheint.

Ihr könnt dementsprechend auch wieder die Zündung ausschalten und das Fahrzeug verlassen.

Aktualisieren der Software

Da zu den Grundlagen auch das Flashen der Trionic gehört, versuchen wir eine aktualisierte Datei zu flashen. Auch wenn das Fahrzeug scheckheftgepflegt sein mag, so kann es gut möglich sein, dass sich nicht der neuste Softwarestand auf dem Steuergerät befindet.

Um dies zu tun benötigen wir nachfolgend die "VIN", "Basemodel partnr" und "SW Identifier 1".

Ruft TIS2WEB auf und befolgt folgende Schritte:

  • Gibt euere VIN ein und klickt auf "CAL ID erhalten"
  • Unter Steuergerät wählt ihr "ECM Motorsteuergerät" > Funktion "Programmierung"
  • Es sollte nun eine Liste mit Nummern erscheinen, wählt dort die Nummer aus, welche eurer "Basemodel partnr" entspricht.
  • Klickt euch so lange durch bis ihr auf die Seite "Zusammenfassung" gelangt, sollte die angezeigte Teilenummer nicht dem "SW Identifier 1" entsprechen, so ist ein Update verfügbar. Notiert euch die Teilenummer.

Mithilfe der neuen Teilenummer könnt ihr nun in folgender ZIP Datei die neuste GBF Datei finden. Aus dieser erstellen wir im Anschluss eine flashbare .bin Datei.

Nachdem ihr diese gefunden habt wird es an der Zeit sich mit dem wichtigsten Tool für die Trionic 8 bekannt zu machen - der T8Suite.

Diese könnte ihr wie gewohnt auf txsuite.org herunterladen (klick mich).

Sobald die Installation abgeschlossen ist, öffnet ihr diese nun mit Administratorrechten.

Unter dem Tab "File" klickt ihr nun auf "Create binary from TIS file".

Wählt nun die ausgelesen .bin Datei aus und anschließend die GBF Datei. Als letztes wählt ihr noch einen neuen Speicherort für die neue Datei.

Flashen der Trionic

Das Flashen funktioniert fast genauso wie das Auslesen.

Nachdem ihr wieder alle Verbraucher ausgeschaltet und die Zündung eingeschaltet habt, klickt ihr diesmal auf "Flash ECU". Ihr wählt diesmal die aktualisierte Datei aus.

Eine Warnung wird erscheinen, klickt einfach auf "OK".

Nun heißt es abwarten... Der Flash dauert in etwa halb so lange wie das Auslesen, da in der Regel auf weniger Speicherblöcke zugegriffen wird. Eine Ausnahme kann jedoch eben ein solches Update sein. Also kein Grund zur Sorge, falls es mal länger dauern sollte.

Geduldiges warten...

Ganz wichtig ist, dass der Vorgang im Gegensatz zum Auslesen niemals unterbrochen werden darf. Ansonsten droht ein Verlust des Steuergeräts, welches nur per BDM neu geflasht werden kann. Da dies nicht nur mit Kosten, sondern auch erhöhtem Zeitaufwand verbunden ist, ersparen wir uns das...

Also achtet darauf, dass die Batterie im Fahrzeug noch in Ordnung und geladen ist.

Sobald der Bootloader initialisiert ist, wird eine Warnung im SID bezüglich des ESPs und der ASR erscheinen.

Wenn der Flash erfolgreich abgeschlossen ist und die Verbindung seitens des TrionicCANFlashers geschlossen wurde, schaltet ihr die Zündung wieder aus, zieht den Schlüssel ab, entfernt das Kabel und startet dann das Fahrzeug.

Erfolgreicher Flash

Die Warnmeldung sollte nun verschwunden sein und der Motor starten.

Damit habt ihr nicht nur euer Steuergerät aktualisiert, sondern auch gleichzeitig erfolgreich die Grundlagen absolviert.

Im nächsten Beitrag werden wir die Stage 1 der Suite testen und somit erstmalig Veränderungen an der originalen Software vornehmen.

Hier geht es zum nächsten Beitrag.