Für alle die ein selbstgemachtes und auf ihr Fahrzeug angepasstes Tuning haben wollen, geht es jetzt ans Eingemachte.

Einführung - Fehlverhalten des Motors

Ehe wir loslegen ist es notwendig gewisse Grundlagen des Motors zu verstehen. Wir müssen verstehen wie die Verbrennung funktioniert, welche Auswirkungen die einzelnen Bestandteile (Luft, Kraftstoff, Zündung) haben und wie wir kritische Zustände erkennen und verhindern können.

Fehlzündungen - Misfires

Dieses Problem dürfte jedem von uns mal begegnet sein. Defekte Zündspulen, alte Zündkerzen oder Nebenluft wird angesogen und schon kommt es zu Zündaussetzern. Diese sind relativ ungefährlich für den Motor, dennoch Zeugen sie von einer schlechten Verbrennung und somit Ineffizienz unseren Systems. Dementsprechend gilt es diese zu vermeiden.

Übrigens - sollten Zündaussetzer unmittelbar dann auftreten, sobald mit einer leistungsgesteigerten Software gefahren wird, so kann man davon ausgehen, dass die Zündspulen defekt sind.

Klopfen - Knocks

Das sogenannte Motorklopfen ist mit Abstand das schädlichste Verhalten für den Motor. Es handelt sich hierbei um eine Selbstentzündung des Kraftstoff-Lufts-Gemischs im Motor. Sprich - es wird nicht wie üblich mithilfe des Zündfunkens kontrolliert entzündet, sondern unkontrolliert und eigenständig.

Die folgende Animation verdeutlich dies sehr anschaulich.

Quelle: https://gfycat.com/anguishednervousasianconstablebutterfly

Sollte das Problem dennoch nicht eindeutig genug dargestellt sein, hier nochmal ein Standbild mit Markierungen.

Quelle: https://way2techs.com/knocking-in-engine-chemical-and-mechanical-factors/

Nebst mechanischen Ursachen, welche außerhalb unserer Kontrolle liegen, entspringt das Knocking primär chemischen Ursachen.

  • Mangelende Kühlung des Zylinders (z.B. durch zu hohe Beanspruchung, hohe Temperatur der Ansaugluft)
  • Zu mageres Gemisch
  • Zu hoher Zündzeitpunkt
  • Minderwertiger Kraftstoff

Konkret kann das Knocking also mithilfe folgender Methoden reduziert werden.

  • Kraftstoff höherer Qualität
  • Fetteres Gemisch (mehr Kraftstoff kühlt die Verbrennung)
  • Thermische Entlastung des Motors (z.B. durch weniger Ladedruck)
  • Zündzeitpunkt reduzieren

Das mag zuerst beruhigend klingen, jedoch sind bestimmte Maßnahmen nicht so effektiv wie andere. Entscheiden wir uns für die falsche Methode werden wir unnötig Leistung einbüßen.

Grundsätzlich gilt es zuerst den Zündzeitpunkt zu reduzieren und dies in sehr kleinen Schritten. Teilweise kann eine Einheit die Knocks vollständig beseitigen. Alternativ kann man das Gemisch anfetten, jedoch wird dies den Verbrauch und die ineffizienz des Motors deutlicher steigen lassen, als es mit geänderten Zündzeitpunkten der Fall wäre.

Eine Reduktion des Ladedrucks würde nicht nur den gewünschten Drehzahlbereich entlasten, sondern würde dazu führen, dass das gesamte Setup weniger Leistung produziert. Im Endeffekt ist dies noch schlimmer als die Anfettung des Gemischs.

Ehe nun Panik ausbricht wie man nun feststellen kann, wo die Knocks auftreten - auch hierfür bietet uns die Suite geeignete Mittel. Hierfür rufen wir unsere auf dem Fahrzeug befindliche Datei auf und verbinden uns erneut mit dem Fahrzeug. Sobald die Zündung eingeschaltet ist, wechseln wir innerhalb der Suite auf den Tab "Realtime", wählen dort "Connect ECU" und anschließend "View knock count map".

Beispiel für einen Knockcounter

Obiges Beispiel zeigt einige Knocks auf. Diese sind jedoch nicht weiter besorgniserregend. Die verwendete Software ist in diesem Beispiel ohne relativ "stark". Hinzu kommt, dass die Trionic schlau genug ist um das Knocking erkennen, sowie eigenständig durch Anpassung des Zündzeitpunkts und Einspritzmenge reduzieren kann.

An dieser Stelle möchte ich einen Hinweis von "DeadT0ast" aus dem TrionicTuning Forum einbinden:

[...] be careful if you set the timing perfect in this weather. You'll get a lot of knocks in summer when it's hot. I'm actually working with two different timing tables. One I load in winter and one is for summer. [...]

Wir erinnern uns - zu warme Temperaturen erhöhen das Aufkommen von Knocking. Dementsprechend sinnvoll ist es für verschiedene Jahreszeiten, verschiedene Karten für den Zündzeitpunkt bereit zu haben.

Einführung - Anpassen der Software

Kommen wir nun zur eigentlichen Arbeit. Das schaffen der Mehrleistung. Nachfolgend werden wir basierend auf der Stage 1 der Suite Änderungen vornehmen.

Dazu werden wir einfach unsere unmodifizierte Basisdatei mit der "gestagten" Software vergleichen. Für eine Stage 1 sind keine gravierenden Änderungen an der Software notwendig, welche eine komplette Neuprogrammierung notwendig machen würden. Dies ist nebenbei bemerkt weder bei einem Tuning von MapTun oder Hirsch der Fall.

Nun aber zum Vergleich:

  • Die Stage 1 Software in der Suite öffnen
  • Im Tab "Actions" auf "Compare symbols with other binary" gehen und die unmodifizierte Software auswählen

Es sollte nun folgendes erscheinen:

Unterschiede zwischen der Unmodifizierten und Stage 1 Software

Einige der Karten sind mehrfach vorhanden. Dies ist zum Beispiel bei einigen der "TrqLimCal" Karten der Fall:

  • 175/210PS Automatikgetriebe
  • 175/210PS Schaltgetriebe
  • 150PS Automatikgetriebe
  • 150PS Schaltgetriebe

Ihr müsst für eure Fahrzeug nur die entsprechenden Karten anpassen.

Nachfolgend eine Auswahl der "wichtigsten" Karten.

AirCtrlCal.RegMap

Hierbei handelt es sich um die Regulation des Boosts.

AirCtrlCal.PRatioMaxTab

Diese Karte ist viel wichtiger als die Obige. Mithilfe der Ratio können wir steuern wieviel Luft und Kraftstoff in die Brennkammer wandert. Umso höher der Wert desto mehr geben wir rein. Bedenkt jedoch, dass dies die Temperatur ansteigen lassen wird.

BstKnkCal.MaxAirmass

Diese Karte legt die maximale erlaubte Luftmasse fest. Beachtet, dass es diese Karte zweimal gibt. Einmal für das Schaltgetriebe, einmal für Automatik.

IgnAbsCal.fi_NormalMAP

Mithilfe dieser Karte können wir den Zündzeitpunkt einstellen für Super Benzin (E5) einstellen. Umso höher der Zündwinkel, desto besser, jedoch kann eine zu hohe Einstellung zu Knocking führen (siehe weiter oben). Hier hilft nur ausprobieren. Das Äquivalent dieser Karte für Super Plus heißt "IgnAbsCal.fi_highOctanMAP".

Kategorie: PedalMapCal

In dieser Kategorie kann das Ansprechverhalten des Gaspedals verändert werden. Die Supportpunkte sind abhängig von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs (Einheit 0.1km/h) und können beliebig angepasst werden. Mithilfe der "X" Karten kann ein Multiplikator festgelegt werden. Umso höher desto stärker spricht das Gaspedal an.

TMCCal.Trq_MaxEngine"XXX"Tab

Hier legen wir unser maximales Drehmoment fest.

TrqLimCal.Trq_MaxEngine"XXX"Tab

Kopiert die Werte aus der vorherigen Karte einfach hier rein.

BoostMeterCal.Trq_MaxTorque

Kopiert den höchsten Wert aus "TrqLimCal.Trq_MaxEngine" hier rein. Hierbei geht es um die Ladedruckanzeige im Instrumentencluster. Es kann empfehlenswert sein den Wert etwas zu reduzieren. Ansonsten kann es passieren, dass die Anzeige nicht mehr vollständig in den roten Bereich geht.

TrqMastCal.Trq_NominalMap

Diese Karte wird verwendet um das gewünschte Drehmoment zu erreichen. Zu sehen ist die seitliche Skalierung mit dem Drehmoment, während die obige Leiste die Luftmasse darstellt.

TrqMastCal.m_AirTorqMap

Hierbei handelt es sich um die nominale Luftmasse die wir in den Motor lassen. Zusammen mit der vorherigen Karte ergibt sich hieraus unser Drehmoment und die Leistung.

Empfehlungen und Tipps

Versucht nach Möglichkeit mit Multiplikatoren zu arbeiten. Gerade in Sachen Luftmasse und Drehmoment wird die Leistungskurve dadurch viel gleichmäßiger. Die Werte die die Suite ausgibt können mit einer Abweichung von ca. ±10% genau bestimmt werden. Lediglich die Abgastemperatur ist nicht sehr präzise. Wollt ihr diese genauer messen, so empfiehlt sich eine Breitbandlambdasonde.

Arbeitet in Ruhe und überlegt. Diesem Beitrag habe ich eine Stage 1 angehängt an der ich trotz Vorerfahrung ca. 2-3h saß, ehe ich ein Ergebnis hatte was mich zufriedenstellen konnte. Auch wenn die Karte vielversprechend aussieht so ist sie dennoch weit vom Optimum entfernt. Gerade in Sachen Zündung geht noch einiges, aber das ist eure Aufgabe. ;)

Erwartet niemals Perfektion von euch. Anfangs habe ich selbst massivste Fehler begangen, jedoch genau aus diesen gelernt. Wenn ihr nicht zu sehr übertreibt sollte der Motor es euch verzeihen. Deshalb solltet ihr im Übrigen niemals eine bearbeitete Software ohne ausführliches Logging fahren.

Um vernünftige Aussagen bezüglich des Knockings zu erhalten, müsst ihr das Fahrzeug nach Möglichkeit stark belasten. Also sucht euch eine geeignete Teststrecke. Achtet hierbei nebst guter Witterung vor allem darauf keine anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen. Ich nutze hierfür die nahegelegene Autobahn zur Nachtzeit, wodurch ich häufig freie Strecke habe. Von Landstraßen rate ich aufgrund erhöhter Wildwechselgefahr, sowie aufgrund von einer Vielzahl an Rad- und Motorradfahrern bei gutem Wetter grundsätzlich ab. Vom Tempolimit ganz zu schweigen. Und ganz wichtig - nehmt euch Zeit euch an die Leistung zu gewöhnen. Selbst wenn es nur vermeintlich wenige PS mehr sind - das Beschleunigungsverhalten kann sich aufs massivste ändern.

Sollte der Knock Counter leichte Ausschläge haben, so solltet ihr die Karte nach 2 oder 3 Tagen wieder betrachten und schauen, ob sich diese verschlechtert hat.

In seltenen Fällen steigt das Knocking durch die Reduzierung der Zündzeitpunkte. Dann empfiehlt es sich diese zu erhöhen um gleichmäßigere Zündzeitpunkte zu erhalten.

Extras

MapTun Dynograph in der Suite

Die angegebene Leistung von 210PS/330Nm wurde auf dem Rollenprüfstand ermittelt und deckt sich mit der normalen Berechnung der Suite.

Verbesserte Stage 1 - 195PS/315Nm

Stage 1 - B207E/L

Dieses Tuning Pack ist von mir gefertigt worden. Bisher läuft alles einwandfrei. Einzig der Leerlauf ist etwas grob, da ich mich der maximalen Luftmasse des B207R's bediene. Das Tuning Pack beinhaltet bereits leichte Änderungen im Ansprechverhalten. Weiteres Optimierungspotential sehe ich vor allem bei den Zündzeitpunkten, welche ich unangetastet gelassen habe. Also erwartet jetzt keine Leistungsexplosion. Seht die Karte einfach mehr als eine Art "Basis" an.

Eventuell lässt sich das Gesamtergebnis noch auf ca. 200PS steigern.

Unbearbeitet liegt 0-100km/h GPS gemessen in einem 9-3II mit Automatik bei 8,0s.

Das Tuning Pack kann im Tab "File" unter "Import tuning package" importiert werden.

Download

High Output Stage 1+ - 215PS/315Nm

Stage 1+ - B207E/L 

Diese Karte konnte ich bisher noch nicht testen. Jedoch sind alle dort eingetragenen Werte als sicher zu erachten. Die Luftmasse übersteigt zu keiner Zeit das Maximum der Serie. Je nach Motor kann sogar eine Reduzierung der Luftmenge zwischen 1-3% notwendig werden.

Dennoch sind Anpassungen in Bezug auf die Zündzeitpunkte dringend notwendig um einen reibungslosen Betrieb zu garantieren!

Download

Besseres Ansprechverhalten

Dieses Tuning Pack wurde von "sophie" im TrionicTuning Forum gefertigt und öffentlich zum Download angeboten. Dies ist in etwa das Pack was in meine TP eingebaut ist, jedoch hat die Originaldatei weitreichendere Änderungen was das Automatikgetriebe anbelangt.

Hinweis! Bei früheren Modelljahren (2003) kann es vorkommen, dass nur ein Wert aus dem Tuning Pack übernommen wird, da die anderen Karten nicht existieren.

Download

Für Kritik, Fragen, Anregungen und Wünsche bezüglich dieses Themas verweise ich auf den Thread im Saab Cars Forum, welcher hier zu finden ist.

Falls euch meine Beiträge gefallen haben, könnt ihr auch gerne etwas Spenden. Als Student ist jeder Cent willkommen ;)